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#93 - ERP-Podcast zum 1. Mai
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Produktivität zum 1. Mai:

Dies ist wieder mal eine Solofolge zum 1. Mai, und was es mit dem 1. Mai auf sich hat und was das mit Produktivitätsfortschritt, vielleicht auch mit Informationssystemen, zu tun hat, verrate ich Ihnen in dieser Folge.

Viel Vergnügen!

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Wenn Ihnen unsere Folgen gefallen, dann freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Ihrer Wunschplattform, damit auch andere auf diesen Podcast aufmerksam werden und wir das Angebot weiter verbessern können. Zeitaufwand: 1-2 Minuten. 

In diesem Sinne: keep connected. 

Herzlichst
Ihr
Axel Winkelmann

Transcript:

ERP-Podcast, Folge 93, Produktivität zum 1. Mai. Das ist wieder mal eine Solo-Folge zum 1. Mai und was es mit dem 1. Mai auf sich hat und was das mit Produktivitätsfortschritt, vielleicht auch mit Informationssystemen zu tun hat, das verrate ich Ihnen in dieser Folge. Viel Vergnügen.

Herzlich Willkommen zum ERP-Podcast, dem Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen in Unternehmen auseinandersetzen wollen. Mit diesem Podcast möchte ich Sie mit eigenen Gedanken und Interviews bei der Gestaltung moderner IT-Konzepte nebenbei, also zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren, begleiten. Damit möchte ich Ihnen in dieser von technologischen Veränderungen geprägten Zeit Informationen anbieten, die sich in Zeitschriften, Fachbüchern und wissenschaftlichen Artikeln in dieser Form nicht darlegen lassen und für die sich im hektischen Alltag ohnehin nicht die Zeit findet.

Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg. So, herzlich Willkommen zurück zum ERP-Podcast.

Ich war längere Zeit etwas ruhiger, sprich habe andere Leute zu Wort kommen lassen und wie das dann immer so ist. Ich habe es ein bisschen schleppen lassen. Es waren ziemlich viele andere Dinge zu tun.

Und dann stellte ich gestern Sonntagabend fest, dass am Mittwoch eine neue Folge hochgeladen werden soll und ich habe geschlafen. Nein, ich habe nicht geschlafen. Ich habe sehr, sehr viel gearbeitet und bin irgendwie nicht dazu gekommen, für Sie etwas Neues vorzubereiten.

Und dann habe ich gestern Abend mal geschaut in die Download-Statistiken. Wir haben zurzeit wahnsinnig viele Downloads, viele gehörte Episoden über ganz unterschiedliche Kanäle. Der eine hört es über Spotify, der andere mag es über iTunes hören, über irgendeinen Podcast-Dienst.

Manch einer auch über unsere Webseite, die demnächst neu gelauncht werden soll. Also ganz, ganz unterschiedlich, wie die Leute diesen Podcast konsumieren und ich freue mich darüber, dass er Ihnen anscheinend sehr gefällt. Dafür herzlichen Dank.

Wir haben ganz, ganz viele tolle Bewertungen auch hierfür. Herzlichen Dank. Sie helfen mit Ihrer Bewertung, zum Beispiel bei iTunes, damit, dass dieser Podcast noch sichtbarer wird.

Das ist natürlich sozusagen auch meine Belohnung für die Arbeit und Mühen, die ich in diesen Podcast investiere. Also Sie tun mir einen großen Gefallen, wenn Sie einfach mal auf die Webseite oder die App oder Software Ihres Podcast-Dienstes gehen und den Podcast, den ERP-Podcast bewerten. So, und dann habe ich gestern Abend überlegt, was machst du, was erzählst du? Und ich bin dann so ein bisschen die Statistiken durchgegangen.

Und das, was die Leute also besonders zu interessieren scheint, ist der Nutzen und vor allen Dingen sind die Kosten von ERP-Systemen, von dem Aufbau des Unternehmensdatenfundaments. Und ich hatte mich dann gestern mal ein Stündchen hingesetzt und habe so ein bisschen strukturiert, was ich zu dem Thema noch erzählen kann. Ja, und dann ist es irgendwie ziemlich spät geworden.

Das ist bei mir meistens so. Ich arbeite gerne spät abends noch. Und gerade als ich so um Mitternacht das Licht ausmachen wollte, fiel noch mein Blick auf den Kalender und ich stellte fest, die nächste Folge ist am 1. Mai, Tag der Arbeiterbewegung, Tag der Arbeit.

Und das ist letztendlich ein besonderes Datum und das hat viel mit Produktivität zu tun und viel mit vielleicht auch Unternehmensdatenfundament, Informationssystem. Und dann habe ich weiter überlegt und habe spontan entschieden, ich rede heute einfach nicht über Kosten, sondern ich erzähle Ihnen eine kleine Geschichte und ein paar Hintergründe aus meiner Sicht zum 1. Mai und hoffe, Ihnen damit an diesem freien Tag der Arbeit eine interessante, nutzbringende Episode präsentieren zu können. Also, viel Vergnügen.

Ich fange zunächst mal mit meiner Geschichte an. Das ist eine Geschichte, die jetzt erstmal zunächst überhaupt nichts mit dem 1. Mai zu tun hat. Das ist eine Geschichte, die irgendwo auf der Welt, da wo es heiß ist, wo die Leute vielleicht noch nicht so weit sind in der Entwicklung, wie wir das hier in der westlichen Welt sind, spielt.

Das ist eine Geschichte, die hat zu tun mit Wasser, mit Kundenbedarf, mit Kundenbedürfnis. Sie erinnern sich, auch dazu habe ich mal eine Folge gemacht. Kundenbedarf, das, was wir sehen können, das, was wir in Form von Nachfrage, von monetarisierter Nachfrage natürlich auch messen können.

Kundenbedürfnis, das, was die Leute eigentlich wollen. Und diese Geschichte in abgewandelter Form, die habe ich mal von Robert Kiyosaki aufgeschnappt. Ich habe es ein bisschen weiterentwickelt.

Und sie handelt von zwei Unternehmern, von Manu und Autom. Und von einem Bürgermeister, der eigentlich ganz clever ist. Und damit beginnen wir die Geschichte mal.

In einem Land, in dem Wasser knapp ist und die Quelle so einige Entfernung von der Stadt entfernt ist, beschließen die Bürger unter ihrem Bürgermeister eine Ausschreibung zu machen und zu sagen, wer versorgt uns jetzt mit Wasser. Und der Manu, der ist ein findiger Unternehmer, alten Schlages. Der sagt, ich bin flink mit meinen zwei Wassereimern und ich bewerbe mich da drauf.

Und die Stadt wird ab jetzt von mir mit Wasser versorgt. Also ich laufe da immer hin und her zur Quelle und zurück. Und dadurch kriegt die Stadt dann von Montag bis Freitag, neun bis siebzehn Uhr, Wasser.

Ja, und er bewirbt sich eben auf die Ausschreibung. Und weil er das alleine macht und weil er seine Kostenstruktur natürlich im Griff hat, gewinnt er die Ausschreibung und ist total happy. Er will gerade anfangen und dann überlegen die Bürger und der Bürgermeister, das ist jetzt ein bisschen schlecht, so eine Person, die das macht.

Das ist so ein Monopol, das wollen wir vielleicht nicht. Und man besinnt sich, dass da ja auch noch ein zweiter Bewerber war, der Autum. Und Autum hat eben auch versprochen, dass er eben Wasser liefern wird.

Wie genau, das weiß man jetzt nicht so richtig. Aber damit wir eben kein Monopol hier bekommen, kriegt Autum eben auch einen Zuschlag, die Stadt mit Wasser zu beliefern. So, und Manu fängt an und hat schon seine zwei Eimer besorgt und läuft also Tag für Tag für Tag die Strecke von der Wasserquelle hin zur Stadt und wieder zurück.

Die Leute sind begeistert, sie kriegen also direkt an die Haustür frisches Wasser geliefert. Ist nicht ganz billig, aber das ist es ihnen wert. Und der Wasserbedarf ist entsprechend groß natürlich und Autum kann also super davon leben und rennt sich die Hacken ab und hat eigentlich ein Geschäftsmodell, fast wie ein Monopol.

Denn Autum war nie wieder gesehen. Nachdem er den Zuschlag erhalten hat, hat er sich in seine Werkstatt begeben und hat irgendetwas gemacht, was keiner so richtig mitgekriegt hat. Manu hat den Autum in Gedanken schon abgeschrieben, denn letztendlich ist er ja der Einzige auf dem Markt und geht auch nicht mehr davon aus, dass Autum irgendwie kommt und Autum, der Dengel, da irgendwie was vor sich hin und läuft da die Strecke zur Quelle immer wieder ab mit komischen Rohren und so weiter und so fort.

Ja und irgendwann ist Autum dann fertig. Autum hat über die Strecke eine Leitung gelegt und sechs Monate nach dem Zuschlag öffnet er in der Stadt einen Hahn und aus der Leitung kommt Wasser. Ja, das ist jetzt blöd für Manu.

Das hat er gar nicht kommen sehen. Was passiert jetzt? Die Bürger sind glücklich. Sie kriegen jetzt ihr Wasser.

Vermeintlicher Kundenbedarf. Nicht nur von Montags neun Uhr bis Freitags siebzehn Uhr, sondern auch abends, nachts, am Wochenende. Das Wasser ist plötzlich günstiger geworden, ist immer verfügbar und Manu hat plötzlich ein Problem mit seinen Kunden.

Sein traditionelles Geschäftsmodell funktioniert nur noch halb so gut, wie es mal funktioniert hat und das ist natürlich bitter für Manu. Das hat er nicht kommen sehen. Was macht er? Er stellt sich Mitarbeiter ein, um noch mehr Wasser auch um 18 Uhr in die Stadt liefern zu können.

Die sind zunächst auch erstmal billig. Irgendwann kommt die Gewerkschaft, fordert mehr Lohn. Dann muss er diese Mitarbeiter entlassen, aber er hat ja noch zwei Söhne, die zumindest in den Semesterferien mit anpacken können.

Irgendwie stellen die dann schnell fest, dass sie noch eine Seminararbeit schreiben müssen, hier bei uns an der Uni Würzburg. Und den elterlichen Betrieb, den väterlichen Betrieb, wollen sie irgendwie auch nicht so richtig übernehmen. Man überlegt schon, ob das an ihm liegt oder woran das liegt und immer weniger Kunden kommen eigentlich zu ihm, um dort Wasser zu bekommen.

Ja, und irgendwann hat Autumn den ganzen Markt übernommen und zwar ziemlich schnell. Ja, was hat das mit dem Unternehmensdatenfundament zu tun? Das ist genau das Gleiche, was wir heute natürlich sehen. Die traditionellen Geschäftsmodelle mit der Kundenbedarfsbefriedigung, die bekommen plötzlich Konkurrenz von Geschäftsmodellen, die auf Daten, die auf Nutzungsverhalten basieren und ohne dass man lange Chance hat, darauf zu reagieren, verändert sich plötzlich massiv die Nachfrage.

Wir sehen das zurzeit noch nicht in allen Branchen. Wir sehen es in einigen wenigen Branchen, beispielsweise bei Büchern schon sehr lange, bei Reisen aktuell sehr stark im Bankenbereich oder so, aber wir sehen es noch nicht in Produktionsgeschäftsmodellen, in Produktionsunternehmen, Industrieunternehmen, im Automobilbereich noch ganz am Anfang. Aber es wird kommen und ich habe darauf hingewiesen, in früheren Folgen, ich verlinke das auch entsprechend wieder, ich habe eine Folge gemacht zur Satellitentechnologie, zum überall verfügbaren Internet, was sicherlich in den nächsten Jahren kommen wird und ich rede nicht über 4G an jeder Milchkanne in Deutschland.

Das werden Themen sein, wo sich die Branchen sehr schnell umstellen müssen und wer das Unternehmensdatenfundament entsprechend nicht aufgebaut hat, der wird seine Mühe haben gegen die Wasserleitung, also sprich neue Unternehmen, neue Geschäftsmodelle mit vernünftigem Unternehmensdatenfundament entsprechend auch agieren zu können und die verschobenen Bedarfe in Richtung der Kundenbedürfnisse dann auch befriedigen zu können. Ich verweise auch immer wieder gerne auf die Geschichte meiner Vorfahren. Auch da gibt es ja mittlerweile im Podcast einige Folgen, die sehr, sehr gut aufzeigen, was Disruption eigentlich ist, was Bedürfnisverschiebung, Bedarfsverschiebung an der Stelle bedeutet und genau das Gleiche ist hier mit Autum und Manu natürlich auch passiert.

Es gab ein disruptives Moment, es gab einen Produktivitätsfortschritt und dieser Produktivitätsfortschritt hat dazu geführt, dass sich im Spiel von Angebot und Nachfrage, im Spiel von Produktionsfaktoren, im Spiel von Kundenbedarf und Kundenbedürfnis von jetzt auf gleich massiv Dinge verschoben haben und der arme Manu eben plötzlich out of business an die nicht vorhandene Tür seines Geschäftsmodells hängen kann. So, was hat das jetzt mit dem 1. Mai zu tun? Zunächst mal ziemlich weiter sprunggedanklich, aber dieses Thema Produktivität ist eigentlich der Auslöser für diesen Feiertag, den wir heute feiern dürfen. Wenn wir uns die Ursprünge des 1. Mais anschauen, dann müssen wir ganz, ganz weit in der Geschichte zurückgehen, dann müssen wir eigentlich in die industrielle Revolution zurückgehen, in Produktivitätssteigerung durch neue Technologien, durch Prozessveränderungen, durch neue organisatorische Maßnahmen, zum Beispiel das Fließband und Ähnliches.

Und all diese Maßnahmen haben in der Geschichte immer dazu geführt, dass die Produktivität, genau wie bei Manu und Autom, gesteigert wurde und haben eben auch zu neuen Bedarfen, zu verschobenen Bedarfen geführt. Und so war das eben auch 1886 in den USA. Das hätte eigentlich auch in Europa passieren können, aber in den USA war es im damaligen kapitalistischen System vielleicht noch extremer.

Also 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung auf diese zusätzliche Produktivität, die sich eben durch Veränderung im Produktivitäts-, im Arbeitsfortschritt ergeben hat, diese Produktivität eben auch im Sinne der Arbeiter zu nutzen und den Zwölfstundentag zu reduzieren. Wir hatten das schon 30 Jahre vorher in Australien mit Massendemonstrationen gesehen, aber so richtig ging das erst in den 1880ern los. Ich weiß es auch aus der Fabrik meiner Vorfahren.

Auch dort gab es massive Veränderungen zu der Zeit, vielleicht einen Tag später. Aber in Nordamerika war also ein Zentrum, wo diese Unruhen sehr massiv waren, insbesondere in Chicago. Also die Arbeiter waren überhaupt nicht mehr zufrieden mit diesem Zwölfstundentag.

Sie forderten also auch, dass die Arbeitsbelastung, dass die Arbeitsstunden entsprechend heruntergesetzt wurden auf acht Stunden. Und eben am 1. Mai 1886 kam es zu einer Arbeiterversammlung auf dem Haymarket in Chicago und in den folgenden Tagen gab es eben Strikes und drei Tage später am 3. Mai zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den Demonstranten, den Arbeitern und der Polizei. Und dabei wurden mehrere Arbeiter schwer verletzt, getötet, Polizisten verletzt, getötet und diese Gewalt eskalierte schließlich.

Und zum Gedenken an diese Opfer wurde in Amerika damals der 1. Mai als Kampftag der Arbeiterbewegung ausgerufen. Das alles basiert also auf Produktivitätsfortschritten, auf Veränderungen bei den Produktionsfaktoren, auf Veränderungen bei Bedarf und Bedürfnis und hat dann letztendlich dazu geführt, im weiteren Verlauf der Geschichte, dass dieser 1. Mai in vielen, vielen Ländern, nicht nur in Deutschland, zu einem Feiertag zugunsten der Arbeiter wurde. Er wurde dann auch im Laufe verschiedener politischer Strömungen, verschiedener Parteien immer wieder instrumentalisiert.

Aber das ist der Ursprung für das, was wir heute als 1. Mai kennen. Also die Produktivitätsveränderungen, die dann dazu geführt hat, dass auch die Arbeiter ihr Recht gefordert haben, war schon damals Ursprung für Veränderungen für den 1. Mai. Vielleicht so ein bisschen als Gedankenanregung diese Geschichte, diesen Hintergrund zum 1. Mai heute, zum Tag der Arbeit am 1. Mai 2019.

Ich könnte selber ganz, ganz viele Geschichten zu dem Thema von meinen Vorfahren erzählen, zum Beispiel zum Wiener Klavierkrieg oder Ähnliches. Das mache ich mal in einer separierten Folge. Für heute wünsche ich Ihnen einen gewaltfreien, einen ruhigen, einen angenehmen 1. Mai wie immer.

Keep connected. Herzlichst, Ihr Axel Winkelmann Ihnen hat der ERP-Podcast gefallen und Sie konnten wertvolle Erkenntnisse gewinnen? Dann würde ich mich über eine Bewertung auf iTunes freuen, damit auch andere von diesem Podcast erfahren können. Eine Anleitung für die Bewertung finden Sie auf www.erp-podcast.de. Dort finden Sie auch weitere Hinweise, Links und Aktualisierungen zu dieser Folge.

Das war der ERP-Podcast für alle, die sich aktiv mit dem Einsatz und der Gestaltung von Unternehmenssoftware und den daraus entstehenden Veränderungen und Potenzialen im Unternehmen losgelöst von Fachzeitschriften, Büchern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Autofahren auseinandersetzen wollen. Mein Name ist Axel Winkelmann. Ich bin Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Würzburg.

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